IMG_2419Text von Dr.Dörte Beier

Stefanie Supplieth

studierte 1991-97 Freie Kunst und Plastik bei  Prof. Waldemar Otto und Prof. Bernd Altenstein

Seit ihrem Diplom lebt und arbeitet Stefanie Supplieth als freie Künstlerin in Bremen und hat des Weiteren vor einigen Jahren die Leitung der Bildhauerwerkstatt für Jugendliche, in der Justizvollzugsanstalt Bremen Oslebshausen übernommen. Diese Tätigkeit mit durchweg männlichen Inhaftierten erfordert sicherlich neben einer gewissen Bodenständigkeit und Durchsetzungskraft auch eine große Portion Humor.

Dass Stefanie Supplieth tatsächlich über viel Humor verfügt, zeigen auch ihre Plastiken. Ihre Werke sind der figürlichen Welt verbunden, bleiben stets im Bereich des Gegenständlichen. Voller Witz und Charme führen sie uns subtil die menschlichen Eigenarten und Schwächen vor Augen bzw. thematisieren ironisch das komplizierte Verhältnis zwischen Mann und Frau. Bereits der moderne Cavemann Tom aus dem gleichnamigen Broadway – Stück „Cavemann. Du sammeln – ich jagen“ hat erkannt, dass Männer und Frauen nicht wirklich zusammen passen. Eine Tatsache, die die menschliche Evolution anscheinend bis heute nicht hat ändern können; zumindest nicht, wenn wir den hier dargestellten Szenen trauen dürfen.

Ausgewogen sind die hier vor Augen geführten Paar-Beziehungen jedenfalls nicht: Wir finden beispielsweise  die beiden auf den ersten Blick völlig naiv und unschuldig wirkenden Frauen in den Arbeiten „Frau mit Horn“ und „An Fred“ mit ihren aufgedrehten Hörnchenfrisuren – die eine gänzlich nackt, die andere spärlich mit einem zart lilafarbenen Negligé bekleidet, die es sich jeweils auf den Rücken ihrer Männer gemütlich gemacht haben. Womit die beiden Frauen ihre Machtpositionen aufrecht erhalten, ist nicht schwer zu erraten. Erotik in ihren ganz unterschiedlichen Facetten wird in der Kunst Stefanie Supplieths immer wieder thematisiert.

Leben die erwähnten Frauen mit Hörnchenfrisuren auf Kosten ihrer Männer, so werden die Frauen in den Werken „Die Ananas“ und „Die Zitrone“ den Männern pikanterweise jeweils auf einem Tablett serviert: die eine Frau mit einer Ananas, die andere mit einer Zitrone. Gestützt werden die Tabletts von einem so genannten Bäwo, einem Fabelwesen zwischen Bär und Wolf, der eine Schlüsselfunktion im Werk der Künstlerin einnimmt. Auch die Frau in dem Werk „On top“  scheint sich nicht wirklich wohl in ihrer Haut zu fühlen. Sie ist gemeinsam mit ihrem Hund auf einen Sockel gehoben worden, von dem sie aus eigener Kraft nicht wieder herunterkommt.

Um Allzu menschliches geht es auch bei den sich selbst genügenden Buddhafiguren, die die Künstlerin geradezu lustvoll entlarvt. Schließlich bezeichnet „Buddha“ im Buddhismus einen überweltlichen Charakter, der aus eigener Kraft die Reinheit und Vollkommenheit des Geistes erreicht hat. Die hier dargestellten Buddhafiguren dagegen sind sehr weltlich dargestellt. Genauso wie die Frauenfiguren „Frederike“ und „Daphne“, die ihre Taschen vor sich abgestellt haben, scheinen sie auf irgend etwas zu warten.

Dr. Dörte Beier